22. Juni 2021 | NetZwerg

Die perfekte Stellenanzeige? GRUNZsolide!

Sie sind verlockend und trügerisch zugleich: Stellenanzeigen. Nehmen Bewerber:innen dadurch die Fährte zum Wunschjob auf, ist das primäre Ziel erreicht. Doch sprechen Unternehmen und Interessierte die gleiche Sprache? Kommen die Botschaften der Sender richtig bei den Empfängern an? Wir schauen mal humoristisch ins HR-Gehege.

Bestimmt hat jeder schon einmal von ihr gehört: der eierlegenden Wollmilchsau. Ein possierliches Hybrid-(Nutz-)Tierchen, das alles kann und alles bietet. Es kommt in unterschiedlichen Kontexten vor. Häufig im Recruiting-Gefilde, wo nach idealtypischen Kandidatinnen und Kandidaten „gejagt“ wird. 

Wie weit die umgangssprachliche Redewendung, pardon, der Vierbeiner, bereits karrieretechnisch gekommen ist? Richtig weit: Bei Wikipedia und sogar im Duden gibt es eigenständige Beiträge. Respekt! Doch wie präsentieren sich diese Fantasietiere nun in Stellenanzeigen? Hier mal ein Beispiel für ein animalisch realistisches Anforderungsprofil:

Wir suchen Dich!

Du hast dein Studium mit Auszeichnung abgeschlossen und bereits Auslandserfahrungen gesammelt, bist Expert:in in Sachen SEO sowie Programmierung und kannst mindestens drei Programmiersprachen; fit in Photoshop und 3-D-Design bist du auch und bringst als versierte(r) PowerPoint-Junkie mit Präsentations-Gen unsere und Kundenaugen zum Strahlen, dabei passen die Begriffe „teamfähig, dynamisch, belastbar, mehrsprachig und führungsstark“ ganz genau zu deiner Person. Du bist nicht älter als 30 Jahre und hast schon 5 Jahre Berufsleben absolviert.

Bewerbende und Unternehmen: zwei Sichten auf ein Stellenangebot

In der Realität sieht das dann so aus: Nach dem Durchforsten von unzähligen Zeitungen, Jobbörsen und Unternehmensseiten blinkt einen diese oder eine so ähnliche Stellenanzeige an. Bei den ersten Sätzen sind die Anwärter:innen vielleicht noch optimistisch und können im Kopf ein paar Haken setzen. Spätestens ab der Hälfte wird es haarig. Ältere Bewerbende schalten bei dem Wort „dynamisch“ und der Beschreibung „nicht älter als 30 Jahre“ ab, obwohl sie die meisten Qualifikationen (sogar) mitbringen. Junge Interessierte schrecken u. a. die „5 Jahre Berufsleben“ ab – besonders, wenn es um den ersten (festen) Job geht.

Fakt ist: Diese Arten von Stellenanzeigen sind heute nicht selten. Bei den Zielgruppen bewirken sie jedoch ein Gefühl der Überforderung. Wer wird schon all diesen Ansprüchen beruflich gerecht? Viele klicken direkt weiter und beschäftigen sich nicht mit der Stelle, auch wenn sie vielleicht viele der Voraussetzungen erfüllen. Einige wenige lesen mutig darüber hinweg und bewerben sich trotzdem.

Wie eine Umfrage von Stepstone bestätigt, können sich 42 Prozent der Kandidat:innen anhand der Anforderungs- und Aufgabenbeschreibungen in Stellenanzeigen nicht vorstellen, was die tatsächlichen Aufgaben im Job sein werden. Dementsprechend sollte klarer definiert werden, was die Jobsuchenden wirklich erwartet – vom Qualifizierungsgrad bis zu den täglichen Projekten und der Rolle im Team. Arbeitgeber betrachten Stellenanzeigen wie die obere natürlich anders. Schließlich wollen sie die begehrtesten Kandidat:innen finden. Und wer eignet sich da besser als jemand, der ALLES kann und ALLES schon mal gemacht hat? Vielleicht liegen solchen Jobinseraten aus Unternehmersicht folgende Überlegungen zugrunde: Jemand mit dem gewünschten 100 Prozent-Profil ist eine gute und günstige Investition. Denn so genügt nur eine Anstellung, obwohl der Job eher für zwei bis drei (neue) Mitarbeiter:innen ausgelegt ist. Eigentlich sollten Firmen es als positiv ansehen, wenn sich Interessierte trotz solcher Stellenanzeigen bewerben. Das zeigt auf jeden Fall ein hohes Maß an Reflektion und Eigeninitiative, wenn die Wollmilchsau dem Trüffel folgt, obwohl sie von Haus aus kein akkreditiertes Trüffelschwein ist.

Ganz lassen können wir es nicht: ein paar Tipps für die „perfekte“ Stellenanzeige

Eine gute (Online-)Stellenanzeige stellt alle Informationen übersichtlich und einheitlich dar. Das wirkt sich positiv auf die Lese- und Verweildauer aus. So erhalten die Kandidat:innen einen ersten soliden Überblick und können sich ein Bild vom Job und gleichzeitig vom Unternehmen machen. Wie die StepStone-Umfrage belegt: 60 Prozent der Fachkräfte geben an, dass eine ansprechende optische Gestaltung der Stellenanzeigen zur Entscheidung für oder gegen einen Job beiträgt.

Unsere Hinweise

  • Unterteilung der Stellenanzeige in folgende Inhaltsbereiche: Stellentitel, Einleitung, Unternehmensporträt, Aufgabenbeschreibung, Anforderungsprofil, Benefits, Kontaktinformationen & Ansprechpartner, Verweis auf Bewerbungsanleitung
  • Strukturierung der Sektionen z. B. durch Überschriften und grafische Elemente, so erhält jeder Themenblock einen individuellen Stellenwert
  • Ansprechende Gestaltung und Auflockerung der Texte durch die Integration von Bildern und/oder Videos – das macht das Stellenangebot lebendiger
  • In der Kürze liegt auch hier die Würze: Verfassen Sie keine Romane, sondern fokussieren Sie das, was die Bewerbenden wirklich interessiert und animiert, auf Ihrem Karriereportal vorbeizschauen
  • Wählen Sie aussagekräftige Kriterien und Eigenschaften: attraktive Anforderungsprofile überzeugen durch konkrete Merkmale wie z. B. „ausdauernd“ im Bereich Vertrieb versus „kommunikativ“, was per se zum Job gehört
  • Nennen Sie alle relevanten (digitalen) Arbeitstools: So wissen Bewerbende direkt, was sie fachlich erwartet und können ihre Kenntnisse ggf. vorab auffrischen

Welche kuriosen Stellenausschreibungen sind Ihnen in Erinnerung geblieben? Erzählen Sie uns auf LinkedIn davon! Wir freuen uns auf einen Austausch zu Ihren spannendsten Erfahrungen – gerne aus Bewerber- und HR-Sicht.

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