6. Dezember 2022

Der Tag, an dem wir Baggerschiff „Doris” rechts überholten

Es mag sein, dass sich in meiner Erinnerung die Ereignisse – nun da unser gemeinsames Abenteuer schon eine Weile zurückliegt – ein wenig anders darstellen, als sie in Wirklichkeit waren. Man möge mir das verzeihen und mir zugutehalten, dass ich Euch eine schöne Geschichte erzählen möchte. 

Wir hatten einen Plan. Und wir waren vorbereitet. Wir hatten Regenhosen, Regenjacken, wasserdichte Bootssäcke. Einige von uns hatten ihre Brillen gegen Kontaktlinsen getauscht. Wir trugen Kapuzen. Und natürlich sahen wir unfassbar gut aus mit drei bis vier Lagen Kleidung, eng umhüllt von hochwertigen Einweg-Ponchos und in der Taille gut geschnürt vom verpflichtenden Anti-Absauf-Korsett. Wir hatten ALLES bedacht. Fast alles. Was war mit den Schuhen? Es hieß, wir könnten sie anbehalten, müssten aber damit rechnen, dass sie volllaufen würden. Es hieß, wir könnten auch mit nackten Füßen an Bord gehen. Allerdings, die spitzen Steine, Scherben, Kronkorken, Bohrer, rostigen Reißzwecken, Legosteine, Munitionsreste, Speerspitzen und Weltkriegsbombensplitter auf dem Grund des Rheins könnten sich eventuell durch die Füße bohren. Aber gut. Versaute Lederschuhe oder Jesus-Füße? Leichte Entscheidung. Märtyrer sind ja Helden. 

Extrem heldenhaft hatten wir schon an der Bushaltestelle gewartet, die Organisatoren des Events nicht ohne Schweißflecken unter den Achseln. Würden die Boote warten, wenn unser Bus ausfiele? Heldenhaft waren wir ÖPNV gefahren und zum Ufer des Rheins gewandert. Jetzt standen wir, elegant gewandet und entschuht am Transporter, wenige Meter vor uns die Boote. Unfassbar heldenhaft blieben wir jetzt unter den Bäumen stehen. Denn genau jetzt, als es losgehen sollte, fing es unglaublich an zu schütten. Es schiffte, es meimelte, es regnete Hunde, Katzen, ganze Eimer, Wolkenbrüche und Wasserfälle. Wir waren innerhalb von drei Sekunden nass. Dann war es auch egal. Wir gingen los. Zwei Teams schnappten sich jeweils ein Boot. Leute es war Oktober. Der Rhein ist dann nicht mehr warm. Dieses Wasser ist Schmelzwasser aus den Alpen. Wenn Zehen sich in den Fuß zurückziehen könnten wie Korallen in ihr Kalkskelett – unsere Zehen hätten sich nach innen gestülpt. Aber egal, wir waren ja Helden. Ja und Heldinnen natürlich auch. Wir wateten durch die untertemperierte Brühe, versuchten dabei nicht in spitze Steine, Scherben, Kronkorken, Bohrer, rostige Reißzwecken, Legosteine, Munitionsreste, Speerspitzen oder Weltkriegsbombensplitter zu treten und hievten die Boote, die übrigens aus massivem Gummi bestanden, in den gemächlich dahinfließenden eisigen Strom.  

Der Kommandant unseres Bootes hatte uns zwar eine Einweisung gegeben, aber als wir rittlings auf den halbrunden Bordwänden saßen, waren wir so voller Adrenalin ob des da kommenden Abenteuers, dass wir gleich alles wieder vergessen hatten. Ein lautes Hupen ließ uns zusammenzucken. Ach ja, wir sollten den Fluss schnell queren, hatte der Captain gesagt. „Oh, Captain unser Captain, dieses Schiff, das herannaht, ist klein!“ „Ja, liebe Matrosinnen und Matrosen, dieses Schiff ist klein. Aber seht, jenes Schiff dort hinten, das ist sehr groß.“ „Oh Captain unser Captain, ist es jenes Schiff dort hinten, das gerade hupte?“ „Ja liebe Matrosinnen und Matrosen, es ist jenes Schiff dort hinten, das schwer und hochhaushoch beladen mit unzähligen Containern schnell herannaht und das uns nicht ausweichen kann, wenn wir ihm direkt vor der Schnauze umherschippern. Jenes Schiff hat gerade gehupt.“ Und jetzt mal schnell nen Rhythmus finden mit acht Paddeln auf jeder Seite. Und keiner hat das vorher gemacht. Ja, schon klar, wir haben es geschafft, sonst könnte ich den Bericht hier ja nicht schreiben. Was macht Abenteuergeschichten mit einem Ich-Erzähler eigentlich spannend? Aber egal.  

Also wir waren dann auf der anderen Seite. Ja. Und dann sind wir gepaddelt. Manchmal war das eine Boot vorne und dann wieder das andere. Ja, die Füße wurden echt kalt, also war gut, dass die Zehen nach innen gestülpt waren, weil sonst hätte man die gar nicht mehr gespürt. Ja und dann später haben wir noch Doris das Baggerschiff gesehen. Das hat mitten im Rhein gewendet. Das fanden wir sehr beeindruckend. Übrigens waren auch alle Leute, die in Ausflugsschiffen, Kreuzfahrtschiffen, Transportschiffen und Containerschiffen an uns vorbeifuhren total neidisch auf uns. Ja, wir haben denen lässig zugewinkt und kurz mit der Hand an die Sonnenbrille gefasst beim Vorbeifahren. Musste man nur immer gucken, dass man das Paddel schnell wieder hatte, weil sonst wär der Captain bestimmt sauer gewesen, wenn die ganzen Paddel dann am Grund des Rheins zwischen spitzen Steinen, Scherben, Kronkorken, Bohrern, rostigen Reißzwecken, Legosteinen, Munitionsresten, Speerspitzen und Weltkriegsbombensplittern gelegen hätten. Aber ist ja nicht passiert.  

Wir kamen dann irgendwann an. Achso, zwischendurch sahen wir auch den Dom und fuhren unter ein paar Brücken durch. Und dann haben wir uns alle zusammen unter der letzten Brücke nackich gemacht. Also fast. Praktisch, dass auch gleich eine Fotografin vor Ort war. Bestimmt sind wir jetzt Stars einer Fotostock-Datenbank. Also falls jemand von Euch mal angesprochen wird. Das war das damals, als wir halbnackt unter der Brücke … Naja. Um ins Restaurant gelassen zu werden, mussten wir dann aber doch wieder was anziehen. Das war schade, aber es war ja auch nicht so warm. Und es wär auch blöd gewesen, wenn wir die Ingwer-Pfefferminz-Schorle, die Trendbrause, urbane Cross-Cuisine-Bowls, fette Burger und lecker Pommes nicht zu uns genommen hätten. Also so war es schon gut. Und es war irgendwie schön, dass wir das alle zusammen überlebt haben. Niemand ist erfroren, untergegangen, von einem Schiff angefahren worden oder von Baggerschiff Doris weggebaggert worden. Und wir haben alle Paddel wieder zurückgegeben. Und nachher war uns auch wieder schön warm.  

Aber ich wollte noch mal fragen: ist das beim Rafting nicht so, dass man das in so einem Wildbach macht? Also mit Strudeln und engen Stellen und großen Steinen und Gefälle und da sind doch auch Forellen, Lachse und Bären. Und macht man da nicht auch Rollen im Wasser, damit der Bär einen nicht erwischt? Oder war das wieder was anderes? Naja, das wird dann vielleicht unser nächstes gemeinsames Abenteuer. Ich freue mich schon darauf. 

Sarah N. 

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