Der Spielbericht
Liga Benchmark 2025/2026
Wer ist Meister - im Netz?
Franz Beckenbauer hat die Dinge gerne auf den Punkt gebracht. Manchmal etwas eigenwillig, aber immer treffsicher. Sein wohl rätselhaftestes Vermächtnis: „Es gibt nur eine Möglichkeit: Sieg, Niederlage oder Unentschieden.“
Einfacher geht's nicht. Treffender auch nicht.
Genau diese drei Möglichkeiten strukturieren den LIGA Benchmark 2026 von NetFed – den großen Websitecheck der Bundesliga. Denn auch im Netz gibt es Gewinner, Verlierer und solche, die noch nicht wissen, wo sie stehen. NetFed hat die offiziellen Websites aller 18 Bundesligisten untersucht: Wie gut stellen die Klubs ihren digitalen Auftritt auf – für Fans, Mitglieder, Medien und alle, die sich rund um Verein, Ticket und Spieltag orientieren wollen?
Der Sieger steht fest: Der 1. FC Köln gewinnt den LIGA Benchmark 2026.
Auf den Plätzen zwei und drei folgen der FC Bayern München und Eintracht Frankfurt. Und dahinter? Eine Liga mit bemerkenswerten Stärken, blinden Flecken – und reichlich Potenzial.
SIEG – Was die Bundesliga bereits richtig macht
| „Fußball ist einfach: Rein das Ding – und ab nach Hause.“
– Lukas Podolski
Einfach. Klar. Auf den Punkt. Genau das erwarten Fans auch von einer Website. Und in vielen Bereichen liefern die Bundesligavereine genau das.
Eine Vereinswebseite ist in der Praxis Ticketschalter, Fanshop, Medienplattform, Vereinsarchiv und emotionaler Heimathafen – alles gleichzeitig. Wer am Spieltag ein Ticket sucht, wer nachts nach dem Abpfiff noch den Jubel sehen will, wer als neues Mitglied nach dem Beitragsformular sucht – all diese Menschen landen auf der Website. Und die Vereine haben gelernt, was das bedeutet.
Stadioninfos, Barrierefreiheitshinweise, Ticketing, Mitgliederangebote, Auswärtstickets, Fanshop – das alles ist ligaweit auf verlässlichem Niveau. Wer kurz vor Anpfiff auf dem S-Bahnsteig steht und sein Ticket braucht, findet es. Wer den Rollstuhleingang sucht, findet ihn. Der digitale Servicebetrieb der Bundesliga läuft.
Auch inhaltlich hat die Liga aufgerüstet. Vereins-TV, Blogs, Magazine, Podcasts – viele Klubs verstehen ihre Website als eigenständiges Medium. Inhalte werden dauerhaft auffindbar gemacht, erzählerisch aufbereitet, mit dem Vereinserlebnis verknüpft.
Wer seine Website heute nur als digitales Aushängeschild betreibt, überlässt das Spielfeld den anderen. Die Klubs, die im Benchmark vorne liegen, haben verstanden: Eine Website ist nicht dazu da, den Verein zu zeigen. Sie ist dazu da, den Fan zu halten – bevor der nächste Algorithmus es für sie entscheidet.
Eintracht Frankfurt hat mit seiner Chronik und dem digitalen Vereinsmuseum eine der emotionalsten Darstellungen von Vereinsgeschichte in der Liga. FC Bayern München zeigt in einer anderen Disziplin, wie weit das gehen kann: Spieler erklären in Videos ihre Namen in Gebärdensprache. Ein kleines Format mit großer Wirkung – Inklusion nicht als Kampagnenthema, sondern als Selbstverständlichkeit.
NIEDERLAGE – Wo die Liga noch aufholen muss
| „Wir dürfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken.“
– Lothar Matthäus
Zu spät. Bei vielen Clubs steckt er schon drin.
Ladezeiten. Mobile Performance. Technische Barrierefreiheit. Nicht glamourös. Aber entscheidend. Nur ein Bruchteil der Bundesligisten erreicht auf dem Smartphone akzeptable Ladezeiten – dabei ist das Smartphone das Gerät, auf dem die meisten Fans unterwegs surfen. Auf dem Weg ins Stadion, in der Bahn, in der Warteschlange. Eine Website, die dort nicht lädt, hat verloren, bevor sie begonnen hat. Kein Pech. Kein schlechtes Timing. Handwerk.
Dazu kommt ein strukturelles Problem, das tiefer sitzt: Echte Beteiligung – Votings, Community-Angebote, Mitmachformate, Dialog – findet bei den meisten Bundesligisten bewusst nicht auf der eigenen Website statt. Sie findet auf Instagram, auf Facebook, auf TikTok & Co. statt. Was wie eine strategische Entscheidung aussieht, ist in Wirklichkeit eine Wette. Was mit Twitter und X passiert ist, zeigt wie schnell eine Plattform in Ungnade fällt – und Millionen aufgebauter Follower über Nacht nichts mehr wert sind. Wer seinen Fan-Diskurs komplett auslagert, verliert ihn nicht laut. Er verliert ihn still.
Dabei zeigen einzelne Klubs, dass es anders geht. FC Augsburg bindet Fans mit einem „Man of the Match“-Voting direkt in den Spieltagskontext ein. VfL Wolfsburg verlängert Fan-Votings bis in saisonbegleitende Wertungen. TSG Hoffenheim hat mit dem Assistenten „Hoffi“ und einer eigenen Ticketbörse Service und Interaktion zusammengedacht. Das sind keine teuren Großprojekte. Das sind Entscheidungen. Und die kann jeder Verein treffen.
Und dann ist da noch die Lücke, die inhaltlich am meisten schmerzt: Was einen Verein wirklich unverwechselbar macht – seine Fankultur, seine Legenden, seine Geschichte mit echtem Herzschlag – fehlt auf vielen Websites. Der zwölfte Mann – und die zwölfte Frau – die auf den Rängen jeden Spieltag die Seele eines Clubs ausmachen, kommen digital noch viel zu selten vor. Es fehlt nicht an Mitteln. Es fehlt am Verständnis dafür, was eine Website wirklich sein kann: ein digitales Zuhause für alle, die dazugehören.
UNENTSCHIEDEN - Die Liga, die noch nicht weiß, was sie kann
| „Mal ist man der Hund, mal ist man der Baum.“
– Mario Götze
Das Mittelfeld des Benchmarks ist groß. Und wer dort steht, merkt es oft gar nicht.
Stell dir als Fan vor: Du willst wissen, ob dein Lieblingsspieler fit ist für Samstag. Du öffnest die Vereins-Website. Nichts Aktuelles. Keine Meldung, kein Update, kein Hinweis. Also gehst du zum Kicker. Oder googelst. Oder Instagram. Dieses Erlebnis kennen Millionen Fans. Es passiert täglich. Und es passiert, weil viele Vereinsseiten bei den Basics stehengeblieben sind.
Denn der Benchmark fragt nicht nur, ob eine Website vorhanden ist. Er fragt, ob sie wirklich funktioniert – für jeden, der sie nutzt.
Das sind keine Nischenfragen für Entwickler. Das sind die Fragen, die ein Fan stellt – ohne sie jemals so zu formulieren. Wer sie nicht beantworten kann, verliert den Fan still und leise. Nicht mit einem Knall. Einfach so.
Was diese Vereinswebseiten eint: Sie haben die Basics. Was viele noch nicht haben, ist eine Antwort auf die eine Frage, die alles entscheidet: Warum sollte ein Fan diese Website öffnen, wenn er auch einfach auf Instagram bleibt? Stefan Effenberg hat es einmal so zusammengefasst: „Die Situation ist aussichtslos, aber nicht kritisch." Genau das ist das Problem. Nicht kritisch genug für Alarm. Aber aussichtslos genug, um den Fan still zu verlieren.
Die Basics sitzen, die technische Qualität bleibt das größte Entwicklungsfeld
DIE TOP 3 – DIE CHAMPIONSLEAGUE
Platz 1: 1. FC Köln
| „Ein Spiel ist erst vorbei, wenn der Schiedsrichter pfeift und ich nicht mehr brülle."
– Steffen Baumgart
Das gilt auch digital. Der 1. FC Köln gewinnt den LIGA Benchmark 2026 – und der entscheidende Vorteil liegt nicht dort, wo man ihn zuerst vermutet...
Nicht in der Optik. Nicht im Content. Sondern im Bereich Services & Interaktion. Köln hat verstanden, was viele Klubs noch unterschätzen: dass eine Website erst dann wirklich funktioniert, wenn sie den Fan nicht nur informiert, sondern begleitet. Vom ersten Klick bis zum Abpfiff.
„Spürbar anders“ heißt der Vereinsslogan. Und er gilt auch digital. Der Service-Bereich der fc.de ist so aufgebaut, dass ein Fan findet, was er braucht – ohne zu suchen. Kurze Wege, klare Struktur, keine Sackgassen. Das klingt unspektakulär. Es ist aber genau das, woran die meisten Websites scheitern.
Dazu kommt eine Vereinsidentität, die nicht behauptet wird, sondern sichtbar ist. Die Hall of Fame mit Hennes als Motiv ist kein Gimmick – sie ist ein Bekenntnis dazu, was diesen Klub von einer Marke unterscheidet. Und die FC-Stiftung ist nicht als Pflichtseite versteckt, sondern als fester Teil des Klubprofils verankert. Gesellschaftliche Verantwortung als Identität, nicht als Anhang.
Das alles zusammen ergibt keinen spektakulären Einzeltreffer. Es ergibt einen Auftritt, der in jeder Kategorie liefert – und genau das ist schwerer, als es klingt.
Platz 2: FC Bayern München
„Mia san mia“ ist kein Slogan, sondern eine Haltung, die sich durch jeden Bereich des digitalen Auftritts zieht. Geschichte als Erlebnisraum, Legendenpflege mit echter Tiefe, gesellschaftliches Engagement als Selbstverständlichkeit. Bayern zeigt, was passiert, wenn eine Vereinsidentität konsequent ins Digitale übersetzt wird.
Platz 3: Eintracht Frankfurt
Was Frankfurt auszeichnet, ist die Art, wie der Klub seine Geschichte erzählt – nicht dokumentarisch, sondern emotional. Die digitale Chronik, das Vereinsmuseum, EintrachtTV: Frankfurt hat verstanden, dass Vergangenheit kein Archivthema ist, sondern Identitätsstiftung. „Wir sind Frankfurt. Alle.“ – dieser Satz steht nicht zufällig für einen Klub, der seinen Fans das Gefühl gibt, wirklich dazuzugehören.
Im Netz gibt es keine Absteiger.
Wer seinen digitalen Auftritt konsequent durchdenkt, kann jeden schlagen – unabhängig von Budget, Kadertiefe oder Tabellenplatz. Der 1. FC Köln beweist das. Digitale Qualität ist keine Frage der Vereinsgröße. Sie ist eine Frage der Entscheidung. Die unbequemste Erkenntnis dieses Benchmarks: Wer hinten steht, hat sich dafür entschieden.
Lediglich 6% der Bundesligisten liefern auf dem Smartphone akzeptable Ladezeiten.
Das Smartphone ist nicht das Gerät der Zukunft. Es ist das Gerät der Gegenwart – das einzige, das ein Fan auf dem Weg ins Stadion in der Hand hält. Millionen für den Kader. Nichts für die Ladezeit. Irgendwer hat das entschieden.
Bedient werden. Aber nicht begeistert.
Die Bundesliga hat das Minimum perfektioniert. Wo jeder Verein liefern muss, liefert jeder: Ticket kaufen, Stadionplan finden, Fanshop öffnen – das funktioniert. Aber genau da hört es auf. Legendenrubriken, Vereinshymnen, Votings, Community – die Dinge, die einen Fan nicht nur bedienen, sondern binden – fehlen bei der Mehrheit. Das Ergebnis ist kein Drama. Es ist stiller. Der Fan kommt, wenn er etwas braucht. Und geht, wenn er es hat. „Man hört es an der Stille." Kevin Trapp. Niemand beschwert sich. Niemand kommt wieder.
Diese drei Befunde zusammen ergeben das eigentliche Bild: Die Bundesliga ist digital solide aufgestellt – aber nicht alle Vereine schöpfen ihr digitales Potenzial aus.
„Fußball ist das wichtigste aller unwichtigen Dinge im Leben“, hat die italienische Trainerlegende Arrigo Sacchi einmal gesagt. Für die Website eines Klubs gilt das genauso. Unwichtig im großen Ganzen. Entscheidend für alles, was dazwischen passiert.















