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11. Dezember 2025

NetFed IR-Benchmark: Deutsche Konzerne punkten bei Transparenz – Sichtbarkeit bei ChatGPT & Co. noch in den Kinderschuhen 

Beitrag: NetFed IR-Benchmark: Deutsche Konzerne punkten bei Transparenz – Sichtbarkeit bei ChatGPT & Co. noch in den Kinderschuhen 

Köln, 11. Dezember 2025 – Neben den zentralen technischen Veränderungen unseres Alltags erfordern geopolitische Krisen, Lieferkettenprobleme und Ressourcenknappheit von Emittenten eine schnelle Reaktion auf die vielen „Breaking News“ und noch mehr als bisher Transparenz in der Finanzkommunikation. Unternehmen, die Risiken nicht offenlegen, riskieren das Vertrauen von Investoren. Um diese größer werdende Welle an Themen zu bedienen, wird die (digitale) Interaktion mit den Stakeholdern wichtiger, damit diese sich auch in Krisenzeiten gut abgeholt fühlen. Die eigene Kapitalmarkt-Story wird in flexiblen Formaten in einer zunehmenden Anzahl von Kanälen auch für jüngere Zielgruppen stattfinden müssen.  

Die digitale Investor-Relations-Kommunikation der größten deutschen Unternehmen ist hier in den vergangenen Jahren inhaltlich sichtbar gereift, die Standards sind gestiegen. Unternehmensinformationen, Governance-Strukturen und ESG-Inhalte sind heute fast durchgängig gut aufbereitet, der Service rund um Hauptversammlungen und die Präsenzen auf LinkedIn erreichen Spitzenwerte. Maschinen als neue Zielgruppe sind allerdings noch nicht auf dem Radar der IR-Teams: die eigene Webseite als Quelle bei ChatGPT findet nur selten statt. Das zeigt der aktuelle IR-Benchmark der NetFederation GmbH, für den die IR-Websites von 50 großen deutschen Unternehmen untersucht wurden. 
 

„Die Unternehmen haben ihre IR-Hausaufgaben gemacht. Transparenz, Pflichtinformationen und Service funktionieren heute auf einem sehr hohen Niveau“, sagt Thorsten Greiten, Geschäftsführer der NetFederation GmbH. „Jetzt geht es darum, aus soliden IR-Websites überzeugende Content-Plattformen zu machen, die auch bei ChatGPT & Co. wirken und sichtbar werden.“ 

AI Readiness ist das Gebot der Stunde 

Inhaltlich hat sich die IR-Kommunikation klar weiterentwickelt. Nahezu alle untersuchten Unternehmen stellen ihre grundlegenden Unternehmensinformationen und Governance-Strukturen gut auffindbar bereit. Auch die Rolle von Werten ist deutlich sichtbarer geworden: Ein sehr großer Teil der Unternehmen macht im IR-Bereich inzwischen explizite Aussagen zu ihren Werten und zu deren Bedeutung für den wirtschaftlichen Erfolg. 

Nachhaltigkeit hat sich im IR-Kontext ebenfalls zum Standard entwickelt. Die überwiegende Mehrheit verankert ESG als strategisches Thema und erläutert ihre Nachhaltigkeitsstrategie auf den IR-Seiten. „Werte, Governance und ESG sind kein Beiwerk mehr, sondern fester Bestandteil der Kapitalmarktkommunikation“, so Greiten. „Der nächste Schritt ist, diese Inhalte noch stärker mit der Equity Story und der Investment-Logik zu verknüpfen.“ 

Digitale Performance: bedingt sichtbar, technisch noch Luft nach oben 

Beim Thema Auffindbarkeit gehören die IR-Websites einerseits klar zu den Gewinnern der vergangenen Jahre. Für Suchanfragen wie „Unternehmen und Aktie“ oder „Unternehmen und Dividende“ erreichen die untersuchten Konzerne heute fast durchgängig sehr gute Platzierungen – bei Google. In den bekannten KI-Anwendungen wie ChatGPT oder Perplexity herrscht andererseits dagegen Mangel an aktualisierten Quellen aus den eigenen Reihen. Informationen rund um die Hauptversammlung – von der Terminübersicht über die Tagesordnung bis hin zu Archiven vergangener Veranstaltungen – sind flächendeckend verfügbar und sauber strukturiert. Anders stellt sich das Bild bei der technischen Performance dar. Während viele Unternehmen ihre SEO-Hausaufgaben an der Basis gemacht haben, bleiben Barrierefreiheit und mobile Ladezeiten ein deutliches Entwicklungsfeld. Gerade auf dem Smartphone sind Seiten teilweise noch zu langsam, und nicht alle Inhalte sind barrierearm umgesetzt. 

„Für viele Investoren ist das Smartphone der erste Touchpoint mit der IR-Website. Wenn die Seite dann langsam lädt oder Inhalte nicht gut zugänglich sind, verschenken Unternehmen wertvolles Vertrauen“, erläutert Greiten. Zugleich steigt die Bedeutung maschinenlesbarer Inhalte: Ein großer Teil der Unternehmen optimiert seine IR-Bereiche leider zu wenig für eine bessere Auswertbarkeit durch Suchmaschinen und KI-Systeme, etwa durch klare Überschriftenstrukturen, Metadaten und sauber aufbereitete, barrierefreie Dokumente. 

Die Top 5 im IR-Benchmark  

An der Spitze des diesjährigen Benchmarks steht erstmals die Deutsche Telekom AG. Sie erreicht mit 789 von 1.000 möglichen Punkten die höchste Gesamtwertung. Ausschlaggebend ist ein sehr klar strukturierter IR-Auftritt mit starker Auffindbarkeit, umfangreichen HV-Services und einer deutlich sichtbaren Equity Story, in der Strategie und Kennzahlen schlüssig zusammengeführt werden. Auch die umfangreichen Social Media Präsenzen überzeugen. 

Auf Rang 2 folgt Fresenius SE & Co. KGaA mit 769 Punkten. Der Gesundheitskonzern überzeugt durch hohe Faktenorientierung, ein stringentes Reporting und ein interaktives Kennzahlentool, das Mehrjahresvergleiche und Segmentanalysen ermöglicht. 

Die Volkswagen AG belegt mit 714 Punkten Platz 3. Der Konzern zeigt, wie sich ein komplexes Transformationsprogramm – von der Elektrifizierung bis zur Softwarestrategie – kapitalmarktorientiert darstellen lässt. Reporting-Tiefe und klare Kapitalmarktstory greifen hier sichtbar ineinander. 

Den vierten Platz nimmt die BASF SE ein. Der Chemiekonzern punktet mit einer tiefen Sektion „Sustainable Investment“, klarer Kapitalmarktlogik und einer robusten Governance-Verankerung. Trotz großer Informationsfülle bleibt die IR-Website gut strukturiert und nutzerfreundlich. 

Auf Rang 5 folgt die Covestro AG. Auffällig ist hier der moderne, klar investorenorientierte Auftritt mit einem gut zugänglichen Online-Reporting und einer wirksam integrierten ESG-Kommunikation. 

„Die Top 5 zeigen sehr deutlich, wohin sich IR entwickeln kann“, sagt Greiten. „Sie verbinden Substanz mit Struktur, denken vom Nutzer her, entwickeln sich stetig weiter und machen ihre Kapitalmarktstory digital erlebbar – nicht nur im PDF, sondern direkt auf der Website oder LinkedIn.“ 

Von der stabilen Infrastruktur zur digitalen Exzellenz 

Der IR-Benchmark zeigt eine klare Ausgangslage: Die grundlegende Infrastruktur der IR-Websites steht. Pflichtinformationen, ESG und smarte Services rund um Events und Hauptversammlungen sind breit und stabil etabliert. Aber die entscheidenden Entwicklungsfelder für die kommenden Jahre liegen an anderer Stelle. Dazu zählen insbesondere die visuelle und interaktive Aufbereitung von Kennzahlen, die technische Performance auf mobilen Endgeräten und die konsequente Ausrichtung der Inhalte auf Nutzerbedürfnisse – inklusive der Frage, wie sich Informationen so bereitstellen lassen, dass sie auch von KI-basierten Systemen korrekt interpretiert werden. 

„Investor Relations ist heute mehr als statisches, rückwärtsgewandtes Reporting“, fasst Greiten zusammen. „Digitale IR ist das dynamische Rückgrat für Sichtbarkeit und Glaubwürdigkeit am Kapitalmarkt. Wer seine Story klar erzählt, Zahlen verständlich macht und technisch sauber arbeitet, wird auch in Zukunft sichtbar bleiben – bei Investoren, Analysten und in der gesamten digitalen Öffentlichkeit.“ 

Über den IR-Benchmark 

Der IR-Benchmark ist seit 2007 die etablierte Studie zur digitalen IR- und Kapitalmarktkommunikation deutscher Unternehmen. Im Mittelpunkt steht ein umfassendes Screening der IR-Websites der 50 größten börsennotierten Unternehmen mit Konzernstruktur. Analysiert werden sowohl inhaltliche als auch technische Aspekte: von Berichterstattung und Kennzahlen über die Einbindung von ESG- und Digitalisierungsthemen bis hin zu Service, Usability und der Einbettung von Investor Relations in die Gesamtkommunikation. 

Besonderes Augenmerk liegt darauf, wie transparent, zielgruppengerecht und glaubwürdig Unternehmen ihre Strategien, Finanzkennzahlen und kapitalmarktrelevanten Inhalte – einschließlich Nachhaltigkeit – darstellen. Der Benchmark erfasst systematisch den Einsatz digitaler Tools, interaktiver Kennzahlen- und Reporting-Formate sowie weiterer Services wie HV-Angebote, Kontaktmöglichkeiten oder Newsletter. Durch den Mehrjahresvergleich dokumentiert die Studie Fortschritte und Trends in der IR-Kommunikation, identifiziert aktuelle Best Practices und zeigt, wo Unternehmen im Wettbewerb um Sichtbarkeit, Glaubwürdigkeit und Vertrauen am Kapitalmarkt stehen und welche Ansatzpunkte sich für die Optimierung des eigenen IR-Auftritts ableiten lassen. 

Weitere Details zur Studie finden Sie unter www.ir-benchmark.de

Medienkontakt: 

Matthias Ewen 
Fon: +49 (0) 2236 / 3936-777 
Mail: matthias.ewen@net-federation.de 

NetFederation GmbH 
Sürther Hauptstraße 180 B 
50999 Köln