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8. Januar 2026 | Thorsten Greiten

Fünf essenzielle Basics für professionelle IR-Websites 

Beitrag: Fünf essenzielle Basics für professionelle IR-Websites 

Fünf Punkte entscheiden darüber, ob Ihre IR-Website Analysten begeistert oder frustriert. Während manche DAX-Konzerne noch im Datendschungel verloren gehen, haben andere längst begriffen: Eine durchdachte Informationsarchitektur ist kein Nice-to-have, sondern geschäftskritisch. Wir zeigen, was wirklich zählt – ohne Marketing-Blabla, dafür mit konkreten Beispielen aus der Praxis.

Die IR-Website ist für börsennotierte Unternehmen außerhalb von DAX und MDAX längst mehr als ein digitales Archiv für Quartalsberichte. Sie ist die zentrale Plattform für Analysten, institutionelle Investoren und zunehmend auch private Anleger – und zugleich eine der größten operativen Herausforderungen für IR-Verantwortliche. Auf Basis von Beobachtungen aus der Praxis und im Austausch mit IR-Managern zeigen sich fünf wiederkehrende Problemfelder: unklare Informationsarchitektur, mangelnde User Experience, fehlende Web-Analytics-Kompetenz, komplexe Abstimmungsprozesse und die Integration von ESG-Inhalten. Dieser Artikel beleuchtet diese fünf Herausforderungen im Detail und zeigt, wie führende Unternehmen sie pragmatisch lösen – ohne großes Budget, aber mit klarem Fokus. 

1. Die Suche im Datendschungel: Informationsarchitektur & Navigation

Das Problem

„Wo finde ich die Q3-Zahlen von 2022?" – Eine Frage, die sich Analysten auf vielen IR-Websites öfter stellen, als ihnen lieb ist. Das Kernproblem: Informationsarchitekturen, die über Jahre organisch gewachsen sind, ohne jemals grundlegend überarbeitet zu werden. Quartalsberichte liegen unter „Finanzberichte", manchmal auch unter „Publikationen". Präsentationen sind mal bei „Investor Relations", mal bei „Events". ESG-Berichte? Irgendwo zwischen „Nachhaltigkeit" und „Downloads". 
Für Anna Keller, die typische IR-Managerin in einem DAX-Konzern, ist das ein Dauerproblem: Sie weiß, dass Analysten und institutionelle Investoren präzise, schnell und ohne Umwege auf relevante Dokumente zugreifen wollen. Gleichzeitig teilt sie sich die Website-Infrastruktur oft mit Corporate Communications – und jede strukturelle Änderung erfordert Abstimmungen mit IT, Legal und manchmal auch dem Vorstand.

Die Lösung: Nutzerzentrierung statt Abteilungslogik

Die erfolgreichsten IR-Websites denken vom User her: Was will ein Analyst finden? Was braucht ein institutioneller Investor? Was sucht ein Privatanleger?

Good Practice-Elemente:

  • Klare Hauptnavigation mit maximal 5–6 Hauptpunkten (z. B. „Berichte & Kennzahlen", „Präsentationen", „Nachhaltigkeit/ESG", „Corporate Governance", „Aktie & Anleihen", „Kontakt & Termine") 
  • Jahresbasierte Strukturierung bei Berichten: Alle Dokumente eines Geschäftsjahres gebündelt auf einer Seite 
  • Suchfunktion mit Filtern (nach Dokumenttyp, Jahr, Thema) 
  • Quick Links auf der Startseite zu den am häufigsten gesuchten Inhalten

Wichtig: Diese Struktur lässt sich auch in bestehende CMS-Umgebungen integrieren, ohne gleich die gesamte Corporate Website umbauen zu müssen.

2. „Sieht auf dem Handy komisch aus": User Experience & Mobile

Das Problem

Über 40 % der Zugriffe auf IR-Websites erfolgen inzwischen mobil – Tendenz steigend. Dennoch sind viele IR-Bereiche nicht konsequent für mobile Nutzung optimiert. PDFs lassen sich schlecht auf dem Smartphone lesen, Tabellen sind zu breit, interaktive Charts funktionieren nicht auf Touchscreens. 
Hinzu kommt: IR-Verantwortliche arbeiten selbst meist am Desktop und erleben die mobile Realität ihrer User kaum. Die Folge: hohe Absprungraten, schlechte Nutzererfahrung und verpasste Chancen, auch jüngere, digitalaffine Investoren anzusprechen.

Die Lösung: Mobile First + responsive Formate

Good Practice-Ansätze:

  • Responsive Design als Standard – alle Inhalte müssen auf Smartphone, Tablet und Desktop gleichermaßen funktionieren 
  • HTML-basierte Berichte zusätzlich zu PDFs: Quartalsberichte, die direkt im Browser lesbar sind, mit interaktiven Tabellen und Charts 
  • Klare Call-to-Actions: „Quartalsbericht herunterladen", „Webcast ansehen", „IR-Kontakt" – prominent und auf allen Geräten gut klickbar 
  • Regelmäßige Mobile-Tests im Team (nicht nur durch IT): Einmal pro Quartal selbst auf dem Smartphone die wichtigsten User Journeys durchspielen

Ein einfacher Tipp aus der Praxis: Vor jedem Quartalsreport einmal selbst die IR-Website auf dem eigenen Smartphone öffnen und versuchen, die aktuellen Zahlen zu finden. Was kompliziert ist, wird für Analysten auch kompliziert sein. 
Form

3. „Was messen wir eigentlich?": Web-Analytics & Performance-Tracking

Das Problem

Viele IR-Teams wissen nicht genau, wie ihre Website genutzt wird. Welche Dokumente werden am häufigsten heruntergeladen? Wie lange bleiben User auf der Seite? Woher kommen die Besucher? Brechen sie bei bestimmten Inhalten ab?

Das liegt oft nicht an fehlendem Interesse, sondern an mangelnder Analytics-Kompetenz. Tools wie Google Analytics oder Matomo sind zwar installiert, aber die Auswertung bleibt oberflächlich oder findet gar nicht statt. Die Konsequenz: Entscheidungen über Website-Optimierungen werden aus dem Bauch heraus getroffen, nicht datenbasiert.

Die Lösung: Einfache KPIs definieren & regelmäßig tracken

Good Practice-Vorgehen:

  • 3–5 zentrale KPIs festlegen, die wirklich zählen: 
    • Anzahl der Unique Visitors auf der IR-Startseite 
    • Downloads von Quartals-/Geschäftsberichten 
    • Verweildauer auf Schlüsselseiten (z. B. Strategie, ESG) 
    • Anzahl der Webcast-Aufrufe 
    • Absprungrate (Bounce Rate) auf wichtigen Landing Pages 
  • Monatliches 15-Minuten-Review mit dem Team: Was hat sich verändert? Gibt es Ausreißer? Welche Inhalte funktionieren besonders gut? 
  • Externe Unterstützung holen, wenn nötig: Viele Agenturen mit IR-Expertise bieten kompakte Analytics-Workshops an – das Investment lohnt sich.

Wichtig: Es geht nicht darum, perfekte Datenmodelle zu bauen, sondern handlungsrelevante Insights zu gewinnen. Wenn klar wird, dass der ESG-Bericht kaum gefunden wird, kann die Informationsarchitektur angepasst werden. Wenn Webcasts häufig nach 10 Minuten abgebrochen werden, lohnt sich die Investition in kürzere, knackigere Formate.

4. „Warten auf den letzten Haken": Abstimmungsprozesse & Time-to-Market

Das Problem 

„Alles muss kurzfristig gehen – und auf den letzten Drücker." Ein Satz, den fast jede IR-Managerin unterschreiben würde. Der Grund: komplexe Freigabeschleifen. Bevor Quartalsberichte, Präsentationen oder auch nur kleinere Website-Änderungen live gehen, müssen CFO, Legal, Compliance, oft auch der Wirtschaftsprüfer und manchmal sogar der Vorstand final freigeben.

Das Resultat: Extrem knappe Zeitfenster für die eigentliche IR-Kommunikation. Die Zahlen sind fertig, aber bis zur finalen Freigabe vergehen Tage. In dieser Zeit kann nichts vorbereitet, nichts hochgeladen, nichts kommuniziert werden.

Die Lösung: Prozesse standardisieren & Vorlauf schaffen

Good Practice-Ansätze:

  • Klare Timelines und Responsibilities für jedes Quartal definieren: 
  • Wer liefert wann welche Inhalte? 
  • Wer gibt in welcher Reihenfolge frei? 
  • Was kann schon vorbereitet werden (z. B. Website-Texte, Social-Media-Posts), bevor die finalen Zahlen stehen? 
  • Content-Vorlagen & Templates nutzen: Quartalsberichte, Präsentationen, Pressemitteilungen folgen oft ähnlichen Strukturen. Je mehr standardisiert ist, desto schneller geht die finale Erstellung. 
  • Staging-Umgebungen im CMS: Website-Inhalte können vorab hochgeladen und „scharf geschaltet" werden, sobald die Freigabe da ist – das spart wertvolle Stunden. 
  • Post-Mortem nach jedem Quartal: 30 Minuten im Team reflektieren – was lief gut, was nicht? Wo können Prozesse verschlankt werden?

Entscheidend ist: Akzeptanz schaffen, dass perfekte Kontrolle nicht immer möglich ist – aber gute Vorbereitung Stress reduziert und Qualität erhöht. 
Form

5. „Wo gehört ESG hin?": Integration von Non-Financials

Das Problem

ESG ist längst kein Nischenthema mehr, sondern zentral für Investorenentscheidungen. Gleichzeitig ist unklar, wie ESG-Inhalte auf der IR-Website optimal integriert werden. Eigener Bereich „Nachhaltigkeit"? Direkt in die Finanzberichte? Beides?

Hinzu kommt: ESG-Daten werden oft von einer separaten Nachhaltigkeitsabteilung bereitgestellt, die eigene Kommunikationslogiken und -kanäle hat. Für IR-Verantwortliche bedeutet das: Doppelstrukturen, Inkonsistenzen und das Risiko, dass ESG-Themen für Kapitalmarkt-Stakeholder schwer auffindbar sind.

Die Lösung: ESG als integralen Teil der Equity Story positionieren

Good Practice-Elemente:

  • Eigener, prominent platzierter ESG-Bereich auf der IR-Website – aber mit klaren Verlinkungen zu Finanzberichten und Strategie 
  • ESG-KPIs direkt in Quartals- und Geschäftsberichten integrieren (nicht nur im separaten Nachhaltigkeitsbericht) 
  • ESG-Highlights auf der IR-Startseite: Ratings, Ziele, Meilensteine – kurz und visuell aufbereitet 
  • Gemeinsame Content-Planung mit der Nachhaltigkeitsabteilung: Welche ESG-Botschaften sind für Investoren relevant? Wie können sie konsistent über alle Kanäle kommuniziert werden?

Ein wichtiger Perspektivwechsel: ESG ist kein „Add-on", sondern Teil der langfristigen Unternehmensstrategie. Wenn das auf der IR-Website klar wird, steigt die Glaubwürdigkeit – und die Chance auf bessere ESG-Ratings. 
Form

Kleine Schritte, große Wirkung

Die gute Nachricht: Keine der fünf Herausforderungen erfordert ein Millionen-Budget oder einen kompletten Website-Relaunch von heute auf morgen. Entscheidend ist, pragmatisch und schrittweise vorzugehen:

  1. Quick Wins identifizieren: Was lässt sich mit wenig Aufwand sofort verbessern? (z. B. klarere Navigation, Mobile-Test, einfache Analytics-KPIs) 
  2. Interne Allianzen schmieden: IT, Legal, ESG, PR – wer kann Partner sein, statt Bremser? 
  3. Good Practices beobachten: Wie machen es DAX/MDAX-Peers? Was lässt sich adaptieren? 
  4. Regelmäßig reflektieren: Was funktioniert? Was nicht? Wo braucht es Anpassungen?

Der nächste Schritt: Kostenloser IR Check

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Denn die erfolgreichsten IR-Websites entstehen durch kontinuierliche Optimierung auf Basis valider Daten – nicht durch Zufall. 

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