24. März 2022 | Thorsten Greiten

Konzerne unter Druck: Investment Story braucht Haltung  

Die Lage in der Ukraine führt uns die Komplexität einer globalisierten Welt dramatisch vor! Ein Großteil der westlichen Unternehmen stoppt alle wirtschaftlichen Aktivitäten in Russland und friert neben Konten auch Geschäftsbeziehungen ein. Nun ist Haltung gefragt! Bereits im Januar haben wir zehn Thesen für das Finanzjahr aufgestellt. Niemand konnte ahnen, dass bereits einige Wochen später unsere Gedanken bittere Realität werden würden.

Nach angekündigter Klimakatastrophe und durchlebter Pandemie folgt also nun der nächste Stresstest für die Kommunikationsabteilungen der DAX Konzerne. In einer digitalisierten Welt, wo an jeder Social Media Ecke der nächste Skandal, Eklat oder Shitstorm lauert, wird die politische Haltung zu eigenen Wertschöpfungsketten, Standorten oder Geschäftspartnern zum festen Bestandteil der Investment Story.

Derzeit reagieren die Märkte noch heftiger als nach dem ersten Corona Abschwung im Februar 2020. Die Pandemie gilt in vielen Bereichen was Digitalisierung, New Work und Organisationskultur betrifft, als Zeitenwende. Die Konflikte in Osteuropa stellen bereits die nächste Korrektur – vor allem in (wirtschafts-)politischer Hinsicht dar. Ein Zeichen dafür sind die steigenden Aktienkurse der Rüstungsunternehmen, die vor einigen Wochen noch durch ESG Kriterien geächtet wurden. Das Thema ESG dürfte in den nächsten Wochen Pause haben.

Die Pandemie hat gezeigt, dass Transparenz, schnelle Kommunikation und digitale Anpassungsfähigkeit insbesondere in Krisenzeiten entscheidend für die positive Entwicklung eines Unternehmens sind. Jetzt kommt es zusätzlich auf innere und äußere Haltung an:

  • Mit wem werden die Geschäfte gemacht?
  • Welches Risiko birgt die Lieferkette?
  • Sind meine Konzernaktivitäten politisch opportun?

2022 wird uns auf verschiedenen Ebenen weiterhin herausfordern. Umso wichtiger ist es, dass IR-Verantwortliche sich der Unruhen und Gefahren bewusst sind.

  • Steigende Energiepreise machen das Geschäft unkalkulierbar. 
  • Die Coronakrise noch lange nicht vorüber und wird weiterhin für schwerwiegende Produktionsausfälle sorgen.  
  • Die ohnehin komplexen, globalen Lieferketten werden immer anfälliger und sorgen für Engpässe im internationalen Verkehr.  
  • Ressourcenknappheit herrscht auch an Halbleitern und seltenen Rohstoffen, die in fast jedem Unternehmen gebraucht werden. Der Fachkräftemangel wird größer werden. 
  • Hinzu kommen politische Unruhen in Staaten und Regionen, die geschäftlich relevant sind, aber autokratisch regiert werden. Hier entsteht Sprengstoff mit der eigenen ESG Strategie und entsprechenden Stakeholdern. 
  • Inflation und billiges Geld tun ihr Übriges, um die Sache für Finanzkommunikatoren zu verkomplizieren. Einerseits fehlen im Niedrigzins Alternativen zu Aktienkäufen, andererseits steigt der Verschuldungsgrad von Konsumenten weiter ungesund an.  
  • Überall drohen Überhitzung oder Blasenbildung, Aktien werden definitiv volatiler.  

Die Welt wird komplexer: Risiken aus Liefer- und Wertschöpfungsketten, politischen Unruhen oder non-konformen Produktionsstätten müssen in der Investment Story besser ausgeleuchtet werden.

Der IR-Ausblick auf die Kapitalmärkte muss klarer Stellung beziehen und endlich den goldenen Käfig von Reporting und Finanzkennzahlen verlassen. Wenn man keine Aussichten bieten kann, dann sollte man die Gründe dafür nennen und Szenarien kommunizieren. Statt quartalsweiser Pflichtangaben, sollte eine Webseite in der Tiefe die ganze Investment Story zeigen. In einer zunehmend ungewissen Welt der interessierten Aktionäre braucht es Antworten auf Fragen, die jenseits der Bilanzzahlen liegen. Wer weiß, ob die Informationen aus dem Umfeld der Social-Trading-Plattformen die Aktionäre in eine andere Richtung bewegen.

Bei der Beantwortung der wichtigsten Fragen ist im IR-Bereich noch viel Luft nach oben, wie unsere Analyse im IR Benchmark zeigt:

Würden Sie gerne wissen, worauf wir uns 2022 noch einstellen sollten? Im Blogpost „10 Thesen zur Entwicklung der Finanzkommunikation 2022“ haben wir den Blick in die Glaskugel gewagt.

Brauchen Sie Unterstützung bei der Überarbeitung oder einem Relaunch Ihres IR-Bereichs? Oder wie wäre es mit einem Workshop? Wir stehen Ihnen zur Seite und bringen Ihre digitale Finanzkommunikation auf das nächste Level. Kontaktieren Sie uns gerne via Telefon, Mail oder Kontaktformular.

Das könnte Sie auch interessieren

Blogpost: Übersicht über die wichtigsten ESG-Ratings – und was sie für die Finanzkommunikation bedeuten
Blogpost

Übersicht über die wichtigsten ESG-Ratings – und was sie für die Finanzkommunikation bedeuten

ESG-Kriterien gewinnen derzeit massiv an Bedeutung. Sind die Informationen bislang größtenteils in der reinen CSR-Kommunikation isoliert worden, kommt es nun zu einem regelrechten Nachfragesog aus der Investoren-Kommunikation.

Blogpost: Geschüttelt, nicht gerührt! Organigramme der 90er in der digitalen Transformation
Blogpost

Geschüttelt, nicht gerührt! Organigramme der 90er in der digitalen Transformation

Was können Unternehmen jetzt tun, um den neuen internen Herausforderungen kompetent zu begegnen? Vom Status quo bis zum Quantum Trost finden Sie hier alles, um mit der Umstrukturierung Ihres Unternehmens zu starten.

Projekt: Content-Migration für die IR-Seiten von Deutsche Post DHL Group
Projekt

Content-Migration für die IR-Seiten von Deutsche Post DHL Group

Immer am Puls der Zeit: Die Deutsche Post DHL Group setzt im Bereich Investor Relations (IR) bereits seit vielen Jahren auf die Arbeit von NetFed. Beim Relaunch der Corporate Website unterstützte der Spezialist für digitale Kommunikation das IR-Team.