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25. Juni 2026 | Christian Berens

Interview mit Jörgen Camrath, Team Lead Nachhaltigkeits­kommunikation bei der Deutschen Bahn, zum CR Benchmark 2026 

Beitrag: Interview mit Jörgen Camrath, Team Lead Nachhaltigkeits[shy]kommunikation bei der Deutschen Bahn, zum CR Benchmark 2026 

In einem Jahr von Rang 9 auf Rang 2: Die Deutsche Bahn zählt zu den deutlichsten Aufsteigern im CR Benchmark 2026. Wir haben mit Jörgen Camrath, Teamlead Nachhaltigkeit bei der Deutschen Bahn über die Entscheidungen gesprochen, die hinter diesem Sprung stehen, und über die Frage, wie eine Nachhaltigkeitsseite Berichtspflicht erfüllen und trotzdem zugänglich bleiben kann.

Die Deutsche Bahn belegt im CR Benchmark 2026 den zweiten Platz und gehört mit dem Sprung von Rang 9 auf Rang 2 zu den deutlichsten Aufsteigern der Studie. Was steckt hinter dieser Entwicklung? 

Wir haben mit Jörgen Camrath, Team Lead Nachhaltigkeitskommunikation bei der Deutschen Bahn gesprochen: über die Arbeit, die ein solches Ergebnis trägt, über Entscheidungen, die sich ausgezahlt haben, und über die Frage, wo die nächste Entwicklungsstufe der Nachhaltigkeitskommunikation liegt. 

Christian Berens: Lieber Herr Camrath, herzlichen Glückwunsch zum zweiten Platz und dem schönen Sprung aufs Treppchen! Von Rang 9 auf Rang 2 gehört die Deutsche Bahn damit zu den deutlichsten Aufsteigern im CR Benchmark 2026. Verraten Sie uns: Was waren aus Ihrer Sicht die wichtigsten Schritte, die zu dieser Entwicklung beigetragen haben? 

Jörgen Camrath: Zunächst einmal vielen Dank für die Glückwünsche. Der Sprung aufs Treppchen ist eine tolle Bestätigung für die Deutsche Bahn und zeigt, dass die Arbeit der vergangenen Monate Früchte trägt. Das Jahr 2025 hat uns bei der inhaltlichen und technischen Weiterentwicklung der Webseite noch einmal deutlich nach vorne gebracht: Wir haben die Zielgruppe klarer definiert und die Inhalte entsprechend angepasst. Auch haben wir der neuen Schwerpunktsetzung im Konzern mit einem neuen Handlungsfeld Klimaresilienz Rechnung getragen. Und im Rahmen einer Migration konnten wir unter anderem die Themen Automatisierung und Kennzahlen angehen.  

Die Webseite greift zudem auch die Kernprinzipien des Neustarts der DB auf: Wir arbeiten Tag für Tag und konzernübergreifend daran, besser zu werden. Und dabei spielen ehrliche und transparente Inhalte eine wichtige Rolle. Darum ist dieser Erfolg vor allem auch eine Leistung des Teams DB, an der viele unterschiedliche Personen und Bereiche beteiligt waren und sind: Von den Geschäftsfeldern, die hinter einer Vielzahl an ökologischen Maßnahmen stehen, über die Konzernkommunikation bis zu uns im Nachhaltigkeitsbereich.  

Christian Berens: Die DB erklärt Nachhaltigkeit konsequent aus dem eigenen Geschäftsmodell, etwa über Infrastruktur, Klimaschutz, Klimaresilienz und gesellschaftliche Verantwortung. Wie wichtig war es Ihnen, Nachhaltigkeit nicht abstrakt zu behandeln, sondern aus der Rolle der DB heraus zu erzählen? 

Jörgen Camrath: Der elektrifizierte Eisenbahnverkehr gehört schon heute zu den klimafreundlichsten Formen der Massenmobilität. Dieser Umweltvorteil spielt bei der Zukunftssicherung der DB eine zentrale Rolle und ist zugleich ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu Net-Zero-Emissionen bis 2040. Über bereits erreichte Erfolge, Zwischenziele – aber auch über Rückschläge und mögliche Herausforderungen – informieren wir transparent. Das hat einerseits regulatorische Gründe. Andererseits wollen wir damit auch zeigen, wie wir durch den Transport von Gütern und die Beförderung von Reisenden auch unsere Kund:innen und den Staat bei der Erreichung ihrer eigenen Klimaschutzziele unterstützen.

Christian Berens:  Viele CR-Websites entwickeln sich derzeit in Richtung Berichtspflicht und Dokumentation. Wie gelingt es der DB, die regulatorischen Anforderungen zu erfüllen und zugleich einen zugänglichen, redaktionell geführten Nachhaltigkeitsbereich anzubieten? 

Jörgen Camrath: Indem wir das eine tun und das andere nicht lassen. Auch bei der DB stehen wir vor der Herausforderung, dass die regulatorischen Anforderungen steigen. Und das ist grundsätzlich auch zu begrüßen, bedeutet es für Investor:innen und Konsument:innen oft mehr Transparenz und Vergleichbarkeit. Daher haben wir bereits früh begonnen, relevante Kennzahlen auf unserer Webseite öffentlich zur Verfügung zu stellen. Und mit unserer Umweltmarke „Das ist grün.“ und den dahinterliegenden mehr als 150 Maßnahmen machen wir die ökologische Transformation der DB nicht nur für alle greifbar. Wir hinterlegen unsere Aussagen auch mit fachlicher Tiefe und beugen so möglichen Greenwashing-Vorwürfen vor.  

Christian Berens: Der Auftritt verbindet die ökologische Transformation mit konkreten Handlungsfeldern wie Klimaschutz, Ressourcenschutz, Umweltschutz, Lärmschutz und Klimaresilienz. Wie haben Sie entschieden, welche Themen Nutzerinnen und Nutzer zuerst sehen und wie tief sie einsteigen können? 

Jörgen Camrath: Bei der Nutzendenführung versuchen wir nach Möglichkeit, bestehende Inhalte mit neuen Inhalten gut zu verschmelzen. Uns ist wichtig, dass jemand, der regelmäßig die Webseite besucht, immer auch etwas Neues finden kann. Und dass jemand, der zum ersten Mal vorbeischaut, sich gut zurechtfindet und viel entdecken kann. Um der wachsenden Themenvielfalt gerecht zu werden, haben wir dafür unter anderem den Bereich „Ausgewählte Themen“ geschaffen, der über unsere ökologischen Handlungsfelder und sozialen Haltungen hinausgeht und es uns ermöglicht, thematische Schwerpunkte zu setzen – zum Beispiel zu Sicherheitsaspekten oder Reporting. 

Christian Berens:  Ein besonderes Element ist die Maßnahmenübersicht „Das ist grün.“ Welche Funktion hat es für Sie, und wo ziehen Sie die Grenze, damit es Orientierung bietet und nicht zum reinen Schaufenster wird? 

Jörgen Camrath: Unsere „Das ist grün.“-Maßnahmen zeigen ganz konkret, wie Nachhaltigkeit in der operativen Wertschöpfungskette der DB und in den einzelnen Geschäftsfeldern verankert ist. Auch hier sind wir wieder beim Zusammenspiel aus möglichst greifbaren und verständlichen Inhalten – die jedoch gleichzeitig ein wichtiger Baustein bei der Erfüllung aktueller und zukünftiger regulatorischer Anforderungen sind. Daher versuchen wir nach Möglichkeit, unseren Maßnahmen eine inhaltliche Tiefe zu geben, die für die Fachcommunity Nachhaltigkeit Relevanz hat, und ökologische Aussagen so gut es geht mit konkreten Daten und Herleitungen zu hinterlegen. 

Christian Berens:  Die DB macht Nachhaltigkeitskennzahlen in einem eigenen Bereich sichtbar und verknüpft sie mit Fortschritten in ökologischer Transformation und sozialer Verantwortung. Welche Anforderungen stellen Sie an gute Kennzahlenkommunikation auf einer CR-Website? 

Jörgen Camrath: Gute Kennzahlenkommunikation sollte mehrere Anwendungsszenarien abdecken. Im ersten Schritt sollte sie Besucher:innen einer CR-Webseite einen guten Überblick über die wichtigsten Daten und Fakten geben. Im zweiten Schritt sollte sie historische Entwicklungen und aktuelle Kennzahlensets analog zur gesetzlichen Berichterstattung bereitstellen. Das bedeutet im Umkehrschluss natürlich, dass regelmäßig viele unterschiedliche Zahlen aktualisiert werden müssen – hier helfen Schnittstellen und Automatisierungsprozesse sehr.  

Christian Berens:  Soziale Verantwortung fassen Sie auf der Website breit, von Vielfalt und Barrierefreiheit über die Zusammenarbeit im öffentlichen Raum bis zur Verantwortung für die eigene Geschichte. Warum war es Ihnen wichtig, diesen Themen neben den ökologischen Aspekten so viel Raum zu geben? 

Jörgen Camrath: Wir betrachten Nachhaltigkeit ganzheitlich – und dazu gehört neben der ökologischen natürlich auch die soziale Komponente. Mit rund 200.000 Mitarbeitenden, Millionen Kund:innen und zahlreichen Geschäftspartnern nimmt die DB einen zentralen Platz in der Gesellschaft ein. Entscheidungen des Konzerns haben somit Auswirkungen auf das Leben und den Arbeitsalltag vieler Menschen in Deutschland und überall auf der Welt. Darum geben wir unserer sozialen Verantwortung selbstverständlich den entsprechenden Raum auf der Webseite. 

Christian Berens:  Der Auftritt betont den Dialog mit Stakeholdern, etwa über Netzwerke, Veranstaltungen und Austauschformate. Welche Rolle spielt deren Feedback bei der Weiterentwicklung Ihrer Nachhaltigkeitskommunikation? 

Jörgen Camrath: Die Fachcommunity Nachhaltigkeit ist die primäre Zielgruppe unserer Webseite – und dazu gehören natürlich auch die für uns relevanten Stakeholder aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Mit ihnen stehen wir in unterschiedlichsten Formaten im Austausch. Dabei kommen immer wieder auch Themen auf den Tisch, die wir so vielleicht noch nicht im Blick hatten und die aufgrund geopolitischer oder regulatorischer Veränderungen noch stärker in den Fokus rücken. Vor diesem Hintergrund kann es durchaus vorkommen, dass wir neue Schwerpunkte setzen und uns gleichzeitig von bestehenden Maßnahmen und Formaten verabschieden. Regelmäßige Weiterentwicklungen und das ständige Hinterfragen des Status quo gehören für mich aber ganz selbstverständlich zum Arbeitsalltag dazu. 

Christian Berens:  Der CR Benchmark zeigt, dass Themen wie KI-Readiness, digitale Verantwortung und nutzerfreundliche Datenaufbereitung für CR-Abteilungen wichtiger werden. Welche nächsten Entwicklungsschritte sehen Sie für den Nachhaltigkeitsauftritt der DB? 

Jörgen Camrath: Wir haben zuletzt unter anderem in Themen wie digitale Barrierefreiheit und Datenaufbereitung investiert. Gleichzeitig ist uns allen klar, dass jede Webseite morgen schon wieder veraltet ist. Der technologische Fortschritt hat in den vergangenen Monaten noch einmal deutlich an Geschwindigkeit zugelegt – gleichzeitig ändern sich die regulatorischen Rahmenbedingungen und die Anforderungen der Nutzer:innen stetig. Vor allem mit Blick auf KI sehe ich bei uns – aber auch bei allen anderen Webseiten-Betreiber:innen – noch viel Potenzial mit Blick auf Effizienzsteigerung und Nutzer:innenfreundlichkeit. 

Christian Berens: Herzlichen Dank für Ihre Zeit und Ihre Offenheit.

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